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Gesicht zeigen Ansätze zur HIV-Prävention |
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Am 1. und 2. März fanden die 1. Leipziger Schulgesundheitstage an der Volkshochschule Leipzig statt. An beiden Tagen hatten Schüler und Lehrer die Möglichkeit, sich rund um das Thema Gesundheit zu informieren.
Mit der Frage „HIV-Was hat das mit mir zu tun?” konnten sich die Jugendlichen in Workshops und am Infostand von AIDS-Hilfe und AIDS-Beratungsstelle der Stadt Leipzig auseinandersetzen.
Durch die gelöste Atmosphäre außerhalb des Klassenzimmers ließen sich Fragen der Jugendlichen zu HIV, AIDS und Sexualität gut beantworten.
Auch die jungen Mitarbeiter AIDS-Hilfe hatten viel Spaß beim „AIDS-Quiz” mit den interessierten Schüler und bei der Verleihungen der „Kondom-Urkunde” Diese Urkunde wurde an die Schüler verliehen, die das AIDS-Quiz ausgefüllt und an-schließend ihr Können und Wissen im Umgang mit Kondomen bewiesen hatten.
Nicht nur die Urkunden, sondern auch Postkarten, Aufkleber, Flyer und besonders das Informationsmaterial der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung waren heiß begehrt.
In den Workshops erfuhren die Schüler anschaulich und altersgerecht die wichtigsten Dinge über HIV und AIDS, über den Schutz vor einer Infektion und den Umgang mit Kondomen.
Aus "Gegenpol" April 2006 (www.gegenpol.net)
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Leipzig/Dresden
Die drei Studentinnen hinterm Infostand der Aids-Hilfe reiben sich fröstelnd die Hände. Es ist kalt am Weltaidstag, die interessierten Passanten bleiben aus. "Die Leute sind einfach nicht mehr sensibilisiert für das Thema. Die Angst vor Aids ist weg und damit auch das Interesse", sagt die Geografie-Studentin Romy Eißner. Sie gehört zu den so genannten jugendlichen Multiplikatoren der Aids-Hilfe Leipzig. Nachts gehen die ehrenamtlichen Helfer in die Clubs, verteilen Kondome und Postkarten und versuchen, im Gespräch mit anderen Jugendlichen Aufklärungsarbeit zu betreiben. Die Reaktionen seien meist positiv, meint Romy. "Allerdings bin ich mir bei manchen nicht sicher, ob die auch wirklich denken, was sie uns sagen."
Laut Statistik steigt die Zahl derjenigen, die ungeschützten Sex haben. Im ersten Halbjahr 2005 wurden in Sachsen 412 HIV-Kranke registriert, das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Leipzig nimmt mit 126 HIV-Infizierten den Spitzenplatz im Freistaat ein. Zwischen dem 1. Juli 2004 und dem 30. Juni 2005 wurden in Sachsen 70 neue HIV-Infektionen gemeldet. Das sind so viel wie nie zuvor. In Dresden wurden dieses Jahr 200 Betroffene behandelt, teilt die Immunschwächeambulanz des Dresdner Uniklinikums mit. Unter den 132 Infizierten, die hier betreut wurden, waren 26 neue HIV-Fälle. Acht davon müssen mit der Diagnose Aids leben. Zum Vergleich: 2004 waren unter 24 Neu-Infektionen zwei Aids-Erkrankungen.
"Es gibt deutliche Hinweise auf ein nachlassendes Schutzverhalten im sexuellen Bereich", betont die Leiterin der Immunschwächeambulanz Dr. Petra Spornraft-Ragaller. Besonders treffe dies auf homosexuelle Männer zu. Über die Hälfte der neu gemeldeten HIV-Infektionen entfalle auf Homosexuelle. Aber auch andere Geschlechtskrankheiten wie Syphilis seien auf dem Vormarsch. Heute gebe es zwar Therapien, die das Ausbreiten der HI-Viren im Körper aufhalten, so die Ärztin. Sie seien aber mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Über die alarmierenden Zahlen und neueste Forschungen diskutieren am Sonnabend rund 150 Experten auf dem 9. Dresdner Aids-Symposium, das die Klinik für Dermatologie des Uniklinikums ausrichtet.
Nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts leben bundesweit rund 49 000 HIV-Infizierte, etwa 31 000 davon sind Männer mit homosexuellen Kontakten. "Das sind die offiziellen Zahlen, die Dunkelziffer liegt weitaus höher", gibt Heinz Probst, leitender Sozialarbeiter bei der Aids-Hilfe Leipzig zu bedenken.
Das große Problem vor allem im Osten sei, dass die wenigsten Betroffenen mit ihrer Infiziertheit öffentlich umgingen. "Aids hat kein Gesicht. Selbst im Café der Aids-Hilfe, wo meist Betroffene sitzen, treffe ich Leute, die keine Infizierten kennen", sagt Probst. Die Schlussfolgerung vieler sei daher: Ich habe keine Aids-Kranken in meinem Bekanntenkreis, also kann es auch keine geben. Ähnliche Ignoranz herrsche beim Thema Verhütung: "Ich bin nicht schwul, nehme keine Drogen und habe keinen Geschlechtsverkehr mit Prostituierten - dann besteht doch auch kein Risiko", sei eine gängige Argumentation. "Wenn ich das höre, platzt mir der Kragen", betont der Sozialarbeiter.
Morena Gutte, Sozialpädagogin beim Dresdner Lesben- und Schwulenverein "Gerede", beklagt, dass das Risiko einer Infizierung heute verstärkt bewusst eingegangen werde. "Bei Homosexuellen gibt es einen Trend zum ungeschützten Verkehr", sagt sie. Dahinter stecke die Suche nach dem Kick, nach uneingeschränkter Befriedigung. "Barebacking" (englisch: reiten ohne Sattel) sei das Schlagwort für ungeschützten Analverkehr.
Für Heinz Probst hat das nachlassende Schutzverhalten in der Bevölkerung verschiedene Gründe: Zum einen suggeriere die Pharma-Werbung, dass Aids wunderbar behandelbar sei. "Hier wird bessere Behandelbarkeit mit Heilbarkeit verwechselt", warnt Probst. Er kämpft mit Bauchläden voller Kondomen und Broschüren gegen Ignoranz und Desinteresse. "Der beste Flyer ist aber wirkungslos, wenn Sie nicht mit den Leuten reden. Sie müssen wachrütteln und den Menschen klarmachen: Aids gibt es nicht nur in Afrika, sondern auch direkt um die Ecke."
Ellen Grosshans und Genia Bleier
Artikel aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 1. Dezember 2005
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Daß selbst das RTL-Fernsehen von unseren Aktivitäten Kenntnis genommen hat, ist auf einem Video zu sehen. Dieses Video zeigt Marianne "bei der Arbeit".
Ihr könnt Euch das Video (Achtung! Dateigröße: 37,4 MB) hier herunterladen (evtl. mit Rechtsklick erst mal speichern) und in einem geeigneten Programm, daß mpeg-Dateien abspielen kann (z.B. Windows Media Player, real-player, quicktime...) ansehen.
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Wenn es dunkel wird, legen sie los. Ihr selbst gewähltes Motto: Leipzig bei Nacht... - mit Sicherheit dabei. Sie ziehen meist dahin, wo das Bier billig und das Publikum jung ist und verteilen diese gewissen kleinen Gummis. Rote, grüne, gelbe, schwarze. Die Rede ist von der Jugendgruppe der Aidshilfe Leipzig. Ihre jüngste Tour führte in einen der größten Disco- und Partytreffs der Stadt, den TV-Club auf dem alten Industriegelände an der Theresienstraße.
Diesmal sind sie zu viert: Theo Eilenberg (19), Zivi bei der Aidshilfe. Azubi Madeleine Zahn (19). Kristin Adrian (18), sie macht gerade ein soziales Jahr. Und Romy Eißner (24). Die Geografiestudentin, die so ein bisschen den Hut über die Truppe aufhat. Kommt als Letzte angescheppert auf ihrem Drahtesel. Es ist kurz nach 22 Uhr, der Einlass hat gerade begonnen. Romy fingert große Tüten hervor. Kondome. Kunterbunt. Naja, ohne Geschmack, ohne "Mätzchen", wie sie zu verstehen gibt. 500 Stück wollen sie an den Mann bringen. Ob Kneiper schon mal geknurrt hätten, wenn sie auftauchten? "Nö", grinst Romy. "Wenn du kostenlos was abgibst, sagt keiner was." - "Warum sollten wir?", wird später auch Hinnerk Werner sagen, der diese Nacht im Club Chef ist. "Wir sind ein Studentenclub, machen Öffentlichkeitsarbeit für Jugendliche. Wollen, dass hier alles sauber bleibt. Klar unterstützen wir da auch die Aidshilfe."
"Meine Freundin nimmt die Pille"
Das Team, unschwer an den selbst entworfenen T-Shirts für solch Mission auszumachen, reißt die Plastetüten auf. Ali und Carmen vom Einlass kriegen als Erste ihre Ration. "Jeder zwei", beschließt Romy. "Falls einer mal 'nen Knick hat." Dann fliegen die Hemmungen über Bord, es wird angequatscht, was den Weg kreuzt. "Oh, die Verkehrs-Wacht ist wieder da!", juxt ein hochaufgewachsener 33-Jähriger und greift gern nach der kleinen Lust-Spende. "Zum Aufblasen. Bei 'ner Party. Oder ich leg'se ins Bad - für Besucher. Ja, also ich selbst brauch's echt nicht! Ich habe nur eine Frau", beteuert er.
Sie gingen wirklich nicht mit jedem mit, versicherten kurz darauf zwei am Bier nippelnde Freundinnen. Was aber nicht heiße, sie bräuchten so ein kleines Notfall-Set nicht. Flugs glitten Präser auch in ihre Taschen. Naja, sagt Claudia (28), die Verkäuferin, sonst müsse man sie ja kaufen. "Und Aids - also haben wollen wir so was nicht!", sekundiert Nadia (30), tagsüber in einem Steuerbüro tätig. Gott sei Dank, winkt sie ab. Berührung habe man damit noch nicht gehabt. "Bloß mal davon gehört."
Anstandslos kassiert denn auch Stefan, der promovierte Physiker, die Kleinteile. "Aus rein pragmatischen Gründen - zur Verhütung", erklärt er Ina, der promovierten Chemikerin an seiner Seite, und der Bettina gegenüber. Auch die langt zu. Vergewissert sich, ob bei der LVZ-begleiteten Nachtaktion auch wirklich nur die Vornamen in die Zeitung kommen. "Ist besser", entschuldigt sie lächelnd. "Ich bin Lehrerin in einer Mittelschule. Ähm, Biologielehrerin." "Gibt's denn wirklich noch kein Medikament gegen Aids?", fragt Ina. "Wie viele Betroffene haben wir denn in Leipzig?" Immerhin - Interesse. Ein Gespräch kommt zustande.
Dann wieder so einer, der im Vorbeigehen motzt. "Nur ohne. Nur ohne!", käme bei ihm infrage. "Meinetwegen", sagt Romy, "gehste eben mit 'nem Blumenstrauß nach Hause".
Es ist gegen 23 Uhr, die Bude voll, die Stimmung am Entwickeln, die Bierhähne im Fluss, die Hälfte der Kondome weg. Nur Theo und Kristin hatten gerade so 'ne blöde Phase. Sie schlugen sich tapfer durch jene Zonen im Club-Inneren, wo der Bär steppt und der Zigarettendunst längst fett über allen Köpfen wabert. "Ob man die Gummis bei mir gleich einlösen kann", habe sie einer doof angemacht, sagt Kristin. Mit den Worten "Meine Freundin nimmt die Pille", wurde Theo abgespeist. Oder: "Wenn wir die Mauer noch hätten, hätten wir so was nicht." Dabei hat das Quartett nicht mal mit Infoblättchen agitiert, sondern heute wirklich nur die bewährten Gummifuffziger bei.
"Viel zu sehr Spaßgesellschaft"
"Wir sind viel zu sehr Spaßgesellschaft. Man will sich hier noch keine Gedanken machen, nicht wahrhaben, was längst auf uns zurollt", sinniert Theo. "Aus Russland, China, Rumänien, Lettland... Das Virus marschiert." Die Leute sind nun mal so, seufzt Kristin. Die seien erst offen für so was, wenn es sie mal selbst betreffe. Theo jedenfalls hat schon einen an Aids Erkrankten kennen gelernt. Im Aidshilfe-Verein Anfang des Jahres. Irgendwann habe man mal beiläufig ein paar Worte gewechselt. "Jetzt ist er tot", sagt Theo. In dem Moment scheinen in seinemGesicht Jugend und Reife aufeinanderzuprallen. "Naja", tröstet sich der junge Mann. Wenn die Gruppe irgendwo bei Straßenfeten oder so Info-Standbetreuung mache wie letztens beim Rosenstolz-Konzert, da würden die Leute aber schon mal genauer nachfragen. "Vor allem besorgte Mütter. Und seltsamerweise viele ältere Menschen."
Dann zieht der kleine Verhüterli-Trupp wieder ins Gewühl. Zu einer Stunde, zu der alle schon leutselig "Du" zueinander sagen. Nee, sagt Antje (20), Studentin aus Frankfurt/ Oder: "Aids ist in meiner Heimatstadt eigentlich auch kein Thema. Höchstens mal im Schulunterricht." - "Aids? Ach ja, da gibt's bei uns so Vereinigungen, die sammeln immer mal auf der Straße", sagt Mitkommilitonin Godelind aus Rostock. "Aids? Die machen so eine coole TV-Werbung", sagt Martin (23) aus Freyburg/Breisgau. Schließlich treffen sie ihn doch noch, den HIV-lebensbewussten jungen Menschen unserer Tage: "Die Sicherheit kreist bei mir immer im Hinterkopf, wenn ich ausgehe. Da kommt das große Achtungszeichen immer mit", meint Ergotherapeut Kai (32) kategorisch.
Es ist weit nach Mitternacht. Romy knüllt die leeren Kondom-Säckchen zusammen. Feierabend. Für heute jedenfalls.
Angelika Raulien
Kontakt: Aidshilfe Leipzig. Ossietzkystraße 18; Tel. (0341) 2 32 31 26/7
Artikel aus der Leipziger Volkszeitung vom Mittwoch, 23. Juli 2003
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| Kondome überstülpen will gelernt sein, da guckt sogar die Oma am Aidsstand vorbei |